So was wie ein Jubiläum: DIE Lesung vom 04. November

Und tatsächlich: drei Jahre Lauschgift, seit drei Jahren lesen wir auf der Bühne es Kurt Lade Klubs für euch und mit euch, machen Musik, malen Comics, trinken Mate – und gestern war also die erste Lesung in unserem neuen, vierten Lesejahr. Vielen Dank an alle, die gestern in den Klub unseres Herzens gekommen sind, um uns zu lauschen, um für uns zu lesen, zu schreiben und mit uns zu feiern, und das alles – zumindest irgendwie – zum Thema: „Keine Fotos, bitte!“.

Bei Stephan ging es da um eine Reise, eine Liebesreise, auf der nicht fotografiert werden sollte; weil echte Erinnerungen eben doch nur im Herzen überleben oder weil man seit der Digitalkamera Fotos sowieso nicht mehr entwickelt; jedenfalls kann es ohne das ganze Knipsen doch mal wieder schöner sein und auch viel romantischer, zum Beispiel im Heu, zum Beispiel unter Sternen. Romantischer ohne Kamera wäre es vielleicht auch bei Yulia gewesen, denn in ihrer Kurzgeschichte wurde der Kamerakauf zum Scheidungsgrund. Eigentlich schade, sie wirkten doch immer so zufrieden, damit hätte wohl niemand gerechnet. Auch in Jakobs Text wird das Fotografieren zum Zankapfel, nervige Touris, die mit komischen Wischhandys einem armen Alex-Grill-Walker den Tag vermiesen: keine Wurst kaufen, aber Stress schieben – da kann schon mal die Grillzange ausrutschen. Ganz ohne Fotos kam Lydia in ihrem neuen Lied „Ein einziges Mal“ aus, in dem es um das Bleiben und das Gehen ging, während bei Alexander gleich die ganz großen Fragen des Lebens thematisiert wurden: „49“ kann doch unmöglich die Antwort sein? Auf den Sinn des Lebens? Jedenfalls hatte A. drei Teelichte dabei und beglückte das Publikum mit ungeprobter Performance.

Auch ohne Fotos (eben: Keine Fotos, bitte!) kamen unsere diesmal ganz wunderbaren Gastautorinnen aus. Anja Zeltner verpackte ihren „Gedankengang“ in schwindelerregende Sprachschlaufen, die die Lust am Zuhören schürten, mal poetisch, mal witzig, rund um einen kleinen Ausschnitt der Weltkarte, bzw. ein aufgeladenes Kondomkästchen. Juliane Stadelmann hielt ihrem Publikum dagegen eine gekonnt imitierte Berliner Kodderschnauze (schreibt man das so?) entgegen, mit der Figur einer Berliner Kranken-/Altenpflegerin mit Herz, vor allem mit Herz für einen ganz bestimmten Patienten – wie brennt man eigentlich mit jemandem durch, der im Koma liegt?

Im Offenen Mikro gab es diesmal Musik und einsame Inseln – Kolja, Regine und Teja boten den fulminanten Vor-Abschluss eines fulminanten Abends, nur ganz kurz vor dem tatsächlichen fulminanten Abschluss mit den fulminanten Klogeschichten des Publikums.

Eben diese wird es bald hier auch noch mal zu lesen geben, bald hier wird es auch die Fotos zu sehen geben, die unser Lieblings-Lieblings-Fotograf Georg Seiffarth trotz des Mottos des Abends von uns und euch geschossen hat. An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank an ihn und wie immer an das gesamte Team vom Lade – an Maria Engler, die wir immer unsere Flyer aufs Allerbeste entworfen hat, an Basti, der mit der Abenddienstleitung dafür zuständig war, dass alles läuft, an Benny, der an der Technik dafür sorgt, dass wir immer gut zu hören sind, und an Gerrit, der uns und unser Publikum vorm Verdursten und Verhungern bewahrt. DANKE. Für drei Jahre Treue und Betreuung.

Wir freuen uns schon auf die nächste Lesung, für euch und mit euch, im neuen Jahr, und wünschen euch bis dahin – viele schöne Wörter.

Eure (Lauschgift-)Lydia.

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