Wie alles begann: Wie wird eine Lesebühne geboren und wie lernt sie atmen?
Das erste Mal, als die Idee ausgesprochen wurde, eine Lesebühne im Kurt Lade Klub als festen Bestandteil einzuführen, befand sich diese Jugendeinrichtung in der Endphase eines Umbruchs. Die Neustrukturierung war fast vollständig abgeschlossen und die Selbstverantwortung den Ehrenamtlichen bereits übertragen. Jedoch dauerte es noch, bis erste Vorstellungen von diesem neuen Projekt entstehen konnten, da das M24 eröffnet wurde und damit die Hauptamtlichen offiziell vom Kurt Lade Klub in diesen Jugendklub umzogen. Als dieser Prozess schließlich vollzogen war, wurden die ersten Anfragen gestellt.
Luisa kannte ich bereits durch die Schule und als ich eine Geschichte von ihr gelesen hatte, wusste ich, dass sie mitmachen muss. Sie arrangierte auch den ersten Kontakt zwischen Christina und mir, die schon an mehreren Poetry Slams teilgenommen hatte. Ich sollte ihre Texte vor ihr persönlich kennen und schätzen lernen. Lydia stieß durch eine Abschiedsfeier im Kurt Lade Klub dazu, als wir ein Gespräch über Literatur führten und sie mir erzählte, dass sie schrieb und bereits aufgetreten war. Schließlich kam noch Sebastian hinzu, den ich während eines Seminars für Zivildienstleistende kennen lernte. Wir stellten fest, dass wir die gleichen Literaten bewunderten und ähnliche Projekte planten. So bildete sich der feste Kreis einer Lesebühne, die weder über einen Namen noch über ein Konzept verfügte.
Dies änderte sich nach den ersten Treffen, bei denen sich durch intensives Brainstorming Lauschgift herauskristallisierte, der Ablauf geplant war und der erste Flyer angefertigt wurde. Dadurch hatten wir unseren Namen, unsere Werbemöglichkeiten sowie unseren ersten Auftrittstermin gefunden, dem 24. Oktober 2008.
An diesem Abend waren alle sehr nervös, denn niemand wusste, wie wir angenommen werden würden. Würden sich die Besucher langweilen, nach der Pause gehen oder mit Nichtachtung strafen? Würden überhaupt Besucher kommen? Doch all diese Sorgen wurden widerlegt, mehr als dreißig Personen besuchten unsere erste Lesung und wir erhielten viel positives Feedback. An diesem geschichtsträchtigen Abend beschlossen wir, im regelmäßigen Abstand von zwei Monaten aufzutreten.
Die steigenden Besucherzahlen, die wachsenden öffentlichen Foren wie dieser Blog als auch die frei gewordene Kreativität und Arbeit unserer lauschgiftsüchtigen Gruppe beweisen uns immer wieder, dass das die richtige Entscheidung gewesen ist.
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Wie atmet sie weiter?
Ja, ist es nicht süß, wie Stephan in diesem Text unsere zarten Anfänge beschreibt? Und alles stimmt: Aus dem Nichts wird ein Etwas. Inzwischen sind aus diesem festen Anfangsensemble nur noch Stephan und Lydia übrig geblieben, und trotzdem geht es immer weiter, mit neuen Autoren, neuen Texten, neuem Publikum. Und so wird aus einem bisschen ein mehr. Manchmal denkt man an den Anfang. Eins ist geblieben: das Gefühl, dass bisher jeder Lauschgift-Abend die richtige Entscheidung war.
Ich hab es auch noch vor Augen. Wie ich Stephan mit dem Zivildienstbescheid in der Hand an der Tür des Zuges stehen sehe und ihn frage, ob er auch zu dieser komischen Schule muss. Die langwierigen Einführungsstunden über Rechte und Pflichten von Zivildienstleistenden mit Axel-Kurt. Stephan, der das “Glasperlenspiel” auf meinem Bett liegen sieht, der mir seine Idee von Lauschgift erklärt und meine Reaktion:”Cool, ich schreibe auch manchmal!”
Kommentar von basti — 30. Juni 2009 @ 9:55 nachmittags |
Ja, ich weiß noch genau: Stephan steht da so hinterm Tresen und er kritzelt eine doppelseitige Autowerbung (VW wars, glaub ich) im SPIEGEL voll, und ich frag ihn: Was schreibstn da? Und er sagt: Ein Gedicht. Und ich sag: Ist ja toll, ich schreib auch! Und er sagt: Na dann, hast du Lust, mal mit mir bei einer Lesebühne hier im Lade zu lesen? Und ich sag einfach: Na klar! So sah unser “Gespräch über Literatur” aus. Stephan, ich hoffe, du wirst berühmt, dann kann ich diese Geschichte immer und immer wieder erzählen!
Kommentar von lydia — 2. Juni 2009 @ 11:49 vormittags |