Lauschgift – Die Lesebühne im Kurt-Lade-Klub

1. Dezember 2009

Advent, Advent…

Einsortiert unter: Dieses Jenes Solches — lauschgiftberlin @ 11:38 nachmittags

Waaas? Schenkt euch Mutti keinen Adventskalender mehr?

Nicht weinen! Lauschgift ist für euch da! Nicht nur, dass wir am 11.12.2009 ab 21 Uhr wieder im Kurt-Lade-Klub für euch lesen werden, und damit sowieso alle nie bekommenen Weihnachtsgeschenke der letzten fünf Jahre wieder aufgewogen werden, nein, nicht nur das, wir haben MEHR: Den Lauschgift-Litventskalender! Ja, schaut auf unserem Blog vorbei und entdeckt, was sich hinter 24 Türchen verbirgt… Das Beste: Es macht nicht dick, hält ne ganze Weile, und ihr könnte euren Senf dazu geben! (Und zwar ohne dass euch im schlimmsten Fall für zwei Wochen das Nutella gestrichen wird… Wo wir wieder beim Dickwerden wären.) Also: Viel Spaß beim Türchen öffnen! Und im Prinzip – ist Literatur doch die bessere Schokolade…

 

01.12.09 – Kategorie: Haiku. schokoweihnachtsmann/ so kurz nur weilst du unter/ uns tja c’est la vie

02.12.09 – Kategorie: Link. www.keindrama.net Lebendiger, vielseitiger Kulturblog, auf dem diesmal auch unsere Lesebühne vom 30.10.09 besprochen wird – und das sogar mit Hörbeispielen von jedem von uns. Anhören! Lesen! Für die, die uns schon längst kennen, und die, die es noch nie zu uns geschafft haben.

03.12.09 – Kategorie: Alberne Preisfrage. Welche Schuhgröße haben diese Füße? (Wer diese Frage als ErsteLydias Füßer richtig beantwortet, gewinnt eine namentliche Nennung zur nächsten Lauschgift-Nennung sowie auf unserem Blog.) An dieser Stelle ein weihnachtliches Riesen-Danke an unseren emsigen Lauschgift-Fotografen Georg, der uns seit über einem Jahr auf unseren Lesungen und Fotoshootings ins richtige Licht setzt. Danke, Schorschi!

04.12.09 – Kategorie: Veranstaltungstipp. Heut findet im Rosi’s in der Revalerstraße 29 (Nähe Ostkreuz) der Rosi’s-Slam statt! An dem wird auch unser Lauschgiftmitglied Stephan teilnehmen. Wer es nicht bis nächste Woche aushält, kann hier seinen Lauschgiftheißhunger fürs erste stillen.

05.12.09 – Kategorie: Lauschgift-Texte, die man immer wieder lesen sollte. Klee-Blasen von Luisa Rund. Nachzulesen im Lauschgift-Kostproben-Heft aus dem Juni. Appetithäppchen: “Ein ganz normaler Sonntag im Museum. Die Live!Speaker knabbern an den Fingernägeln, Mephisto hat sich als Pallas verkleidet und mein Hitlerbärtchen juckt. Im Schritt.”

06.12.09 – Kategorie: Unnützes Wissen. 2008 wählten die Deutschen den Satz “Ilsebutt salzte nach.” aus dem Roman “Der Butt” von Günther Grass zu ihrem beliebtesten ersten Satz eines deutschsprachigen Romans.


07.12.09 – Kategorie: Haiku. Unser Weihnachtsbaum/ erstrahlt im ersten Licht der/ schönen Weihnachtszeit

08.12.09 – Kategorie: Besondere Überraschung. Was sich hinter diesem Türchen verbirgt, liebe Kinderchen, würde eigentlich hinter die vom 24. gehören, so toll ist das! Aber wir sind da mal nicht so – und überhaupt, am 24. bekommt man ja schon so viele Geschenke… Hier also ein lauschgiftiger Vorweihnachtsgruß: eine, nein, DIE Fotogalerie! Mit Auftrittsimpressionen aus dem Sommer. Ganz neu, total cool: Gleich mal draufklicken! (Ihr findet sie unter: Seiten.) Viel Spaß!

09.12.09 – Kategorie: Fortsetzungsroman. Na ja. -geschichte. Sie ließ den Schnee auf ihrer Zunge schmelzen. Na ja. In Gedanken. Denn in Wirklichkeit schneit es im Dezember in Berlin natürlich nicht. Schon gar nicht, wenn man um drei Uhr nachts auf dem Weg nach Hause ist. An der Bushaltestelle steht. Und friert. Da fällt kein Schnee. Da kommt kein Bus. Und wenn man es sich auch noch so wünscht. …

10.12.09 – Kategorie: Veranstaltungstipp. Morgen, ab 21 Uhr im Kurt-Lade-Klub, ist es wieder so weit: Lauschgift liest für euch, mit euch, vor euch! Kommt vorbei und bringt alle eure Freunde mit, eure Familie, eure nicht beißenden Haustiere, eure Nachbarn, eure Kollegen, eure Kommiltonen, eure Mitschüler; wir freuen uns auf euch! Es wird weihnachtlich werden morgen Abend, aber zum Glück nicht nur, literarisch und musikalisch, es wird Überraschungen hageln, Neues und Altes wird sich symbiotisch vereinigen zu DER letzten Lauschgift-Lesung des Jahres. Seid dabei. Mit blinkender Weihnachtsmütze oder ohne.

11.12.09 – Kategorie: Haiku. Noch keinmal schlafen, dann ist es so weit! Wir freuen uns auf euch, auf heute Abend! Und hier ein kleiner Vorgeschmack: träume fallen aus/ den wolken zwischen dächer/ spuren im neuschnee

12.12.09 – Kategorie: Besondere Überraschung. Schnell wie der Blitz sind wir und präsentieren eure Werke: Die Klo-Geschichten von gestern sind ab sofort online. Viel Spaß und vielen Dank! –> klick mich an, los klick mich an, ich verlinke dich zu den Klogeschichten, los, los!

 
13.12.09 – Kategorie: Unnützes Wissen: Der erste Deutsche, der den Nobelpreis für Literatur erhielt, war Theodor Mommsen im Jahr 1902. Er erhielt ihn bei der ingesamt zweiten Verleihung des Nobelpreises für Literatur für seine historische Arbeit “Römische Geschichte”.

14.12.09 – Kategorie: Fortsetzungsroman/-geschichte. (Für den ersten Teil siehe 09.12.09.) Sie schloss die Augen. Rauschen in den Ohren, Pochen hinter den Schläfen. Kalte Füße. Keine Füße. Schweben durch Schnee und Eis. Manchmal, da sollte man einfach gehen. Da sollte man nicht bis zum Ende bleiben, damit man nicht irgendwann die letzte ist, die einzige ist, die bleibt, die dann um drei Uhr nachts an der Bushaltestellte steht, ohne Bus, ohne Schnee. – Sie spürte, dass plötzlich jemand vor ihr stand. Sie ging einen Schritt zurück und öffnete die Augen.

15.12.09 – Kategorie: Weihnachtsgeschichte. (Oder: weihnachtliche Geschichte.) Jetzt im Lauschgift-Kostproben-Weihnachtsspecial: Ein Text von Lydia, gelesen zu unserer Weihnachts-Dezemberlesung am 11.12.09. Nicht allzu literarisch, aber dafür weihnachtlich. Nur noch bis zum 27.12.09! Viel Spaß. (Klicken auf: Kostproben.)

16.1209 – Kategorie: Besondere Überraschung: Diese Zeichnung wurde am 18. Juli 2009 in der Mühlenstraße 24 von unseren treuen Gästen Felix und Lena angefertigt. Entdeckt die unterschiedlichen Texte unserer Best Of-Lesung wieder und ratet, wer von uns sich wo in diesem Bild befindet.

17.12.09 – Kategorie: Unnützer Link. Wenn einem das dann einfach ein bisschen zu viel Literatur wird – hochwertige Unterhaltung gibt es auch auf andere Art im Netz. Mein Lieblings-Youtube-Video – mit Untertiteln. http://www.youtube.com/watch?v=RAQPQuGGJhM Besonders schön jetzt im Winter.

18.12.09 – Kategorie: Unnützes Wissen. Es war wieder so weit! Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat heute die Wörter des Jahres 2009 bekannt gegeben. Und hier sind sie, die Top Ten der deutschen Wörter: 1. Abwrackprämie 2. kriegsähnliche Zustände 3. Schweinegrippe 4. Bad Bank 5. Weltklimagipfel 6. Deutschland ist Europameisterin 7. twittern 8. Studium Bolognese 9. Wachstumsbeschleunigungsgesetz 10. Haste mal’ ne Milliarde? Besonders schön die Nummer 2, zumindest wenn man damit mehr als die Silvesternacht bezeichnen will… Na dann: Auf zu Schaffung der Wörter 2010!

19.12.2009 – Kategorie: Lauschgifttexte, die man immer wieder lesen sollte: Eine lesenswerte Geschichte aus unseren Kostproben stammt von unserem ehemaligen Mitglied Sebastian Jähne. Die Geschichte “Weiße Laken” handelt von einem schwer erkrankten alten Mann, der sich im Krankenhaus befindet und sich neben seiner Krankheit auch mit seinem Sohn herumschlagen muss. Besonders empfehlenswert ist der Dialog zwischen den beiden. Wer wissen möchte, was Sebastian jetzt macht, kann dies auf unserer Wir-über-uns-Seite nachlesen.

20.12.2009 – Kategorie: Fortsetzungsgeschichte. (Für Teil 1+2 siehe 09./14.12.09.) Es war ein Lebkuchenmann. Sie erkannte ihn sofort. Es war der Lebkuchenmann ihrer Kindheit, sie hatte von ihm geträumt, sie hatte ihn nie gebacken, nie gegessen, nur von ihm geträumt und ihn betrachtet in dem großen schweren Buch im Bücherregal ihrer Mutter. Er war größer als sie selbst. Seine Augen waren dunkle Rosinen, seine Knöpfe bunte Smarties. Er hatte Haare, eine Nase, einen Mund, Ärmel und Kragen aus Zuckerguss. „Was machst du denn hier?“, fragte sie. „Ich warte auf den Bus“, antwortete der Lebkuchenmann. „Der kommt nicht.“ „Dann müssen wir wohl laufen.“

21.12.09 – Kategorie: Gedicht von Größeren. Wer uns Lauschis etwas näher kennt, der weiß vielleicht auch, dass ein Lauschgift-Mitglied zuweilen eine etwas peinliche Rechts-Links-Schwäche hat. Hier also ein Lieblingsgedicht eben diesen Mitglieds von Ernst Jandl, es heißt lichtung”: manche meinen/ lechts und rinks/ kann man nicht/ velwechsern./ werch ein illtum! Na dann: Zu Weihnachten immer schön die Lichtung halten!

22.12.09 – Kategorie: Fortsetzungsgeschichte. (Für die restlichen Teile siehe 09./14./20.12.09) „Aber wohin wollen wir denn jetzt laufen?“ „Nach Hause.“ Er war groß und braun, er sah weich aus und gleichzeitig klebrig, er roch gut, nach Weihnachten, nach Kindheit. Sie ging mit dem Lebkuchenmann durch den nicht gefallenen Schnee, durch die Kälte der Nacht, sie schwebte, sie dachte an die Party, von der sie hätte gehen sollen, einfach nur, weil sie sowieso nicht geküsst worden wäre, sie blieb stehen. „Wie hast du mich gefunden?“, fragte sie. „Ich wusste die ganze Zeit, wo du warst“, sagte der Lebkuchenmann.

23.12.09 – Kategorie: Link. Wer die Seite www.nichtlustig.de noch nicht kennt, hat wirklich etwas verpasst in seinem Leben. Hier ein Vorgeschmack:


24.12.2009 – Kategorie: Fortsetzungsgeschichte. Heute also das letzte Türchen unseres Litventskalenders. Es war schön, ihn für euch und mit euch zu befüllen. Lauschgift wünscht allen ein schönes Weihnachtsfest, vielleicht auch mit dem einen oder anderen Fitzelchen Literatur – in einem gemütlichen Sessel zum Beispiel. Und was ist heute hinter dem Türchen? Das Ende unserer Litventskalenderfortsetzungsgeschichte natürlich – wie könnte es auch anders sein. Hier also noch mal die komplette Geschichte “Lebkuchenmann”. Als kleines Weihnachtsgeschenk neben den Lauschgift-Plätzchen und – Weihnachtspostkarten unserer Dezemberlesung. Viel Spaß!

LEBKUCHENMANN

Sie ließ den Schnee auf ihrer Zunge schmelzen. Na ja. In Gedanken. Denn in Wirklichkeit schneit es im Dezember in Berlin natürlich nicht. Schon gar nicht, wenn man um drei Uhr nachts auf dem Weg nach Hause ist. An der Bushaltestelle steht. Und friert. Da fällt kein Schnee. Da kommt kein Bus. Und wenn man es sich auch noch so wünscht.

Sie schloss die Augen. Rauschen in den Ohren, Pochen hinter den Schläfen. Kalte Füße. Keine Füße. Schweben durch Schnee und Eis. Manchmal, da sollte man einfach gehen. Da sollte man nicht bis zum Ende bleiben, damit man nicht irgendwann die letzte ist, die einzige ist, die bleibt, die dann um drei Uhr nachts an der Bushaltestellte steht, ohne Bus, ohne Schnee.  – Sie spürte, dass plötzlich jemand vor ihr stand. Sie ging einen Schritt zurück und öffnete die Augen.

Es war ein Lebkuchenmann. Sie erkannte ihn sofort. Es war der Lebkuchenmann ihrer Kindheit, sie hatte von ihm geträumt, sie hatte ihn nie gebacken, nie gegessen, nur von ihm geträumt und ihn betrachtet in dem großen schweren Buch im Bücherregal ihrer Mutter. Er war größer als sie selbst. Seine Augen waren dunkle Rosinen, seine Knöpfe bunte Smarties. Er hatte Haare, eine Nase, einen Mund, Ärmel und Kragen aus Zuckerguss. „Was machst du denn hier?“, fragte sie. „Ich warte auf den Bus“, antwortete der Lebkuchenmann. „Der kommt nicht.“ „Dann müssen wir wohl laufen.“

„Aber wohin wollen wir denn laufen?“ „Nach Hause.“ Er war groß und braun, er sah weich aus und gleichzeitig klebrig, er roch gut, nach Weihnachten, nach Kindheit. Sie ging mit dem Lebkuchenmann durch den nicht gefallenen Schnee, durch die Kälte der Nacht, sie schwebte, sie dachte an die Party, von der sie hätte gehen sollen, einfach nur, weil sie sowieso nicht geküsst worden wäre, sie blieb stehen. „Wie hast du mich gefunden?“, fragte sie. „Ich wusste die ganze Zeit, wo du warst“, sagte der Lebkuchenmann.

Er sah sie an und lächelte. Als er die Mundwinkel hochzog, bröckelte ein wenig von dem Zuckerguss. Sie blieb stehen und sagte: „Ich will in mein Bett. Ich hab zu viel getrunken. Das Falsche getrunken.“ „Du meinst: auf das Falsche gewartet.“ Sie roch den Lebkuchenmann, sie wollte, dass es schneite, dass sie nicht mehr müde war, sie sah in die dunklen Rosinen und wollte einen Smartie-Knopf. „Und was machen wir jetzt?“, fragte sie. „Jetzt warten wir zusammen.“ Der Lebkuchenmann ging weiter und sie mit ihm. Sie hörte auf zu frieren. Sie spürte die Wärme des Lebkuchenmanns und fror nicht mehr. Sie vergaß die Party. Sie hatte nur noch diesen Geschmack von Zuckerguss auf der Zunge. Sie gingen so lange, bis sie zu Hause war. Dann fing es an zu schneien.

3 Kommentare »

  1. Also das können doch nur Stephans Füße sein. Das ist bestimmt Schuhgröße 45 1/2.

    Kommentar von anonymer Exlauschler — 5. Dezember 2009 @ 5:46 nachmittags | Antwort

  2. Stephanchenchen: Waidmanns heil!

    Kommentar von lauschgiftberlin — 4. Dezember 2009 @ 7:02 nachmittags | Antwort

  3. [...] Die nächste Lauschgiftlesung ist übrigens am 11.12. um 21Uhr, Infos findet man auf lauschgiftberlin.de. Hier wird es sicherlich auch eine kleine Ankündigung geben. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für den schönen Abend bedanken. Er bleibt in Erinnerung. [...]

    Pingback von Lesebühne: Lauschgift. — 2. Dezember 2009 @ 11:56 nachmittags | Antwort


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